Dialog der Generationen - Die 50er Jahre Drucken E-Mail

Presseartikel der Allgemeinen Zeitung Uelzen zum Projekt:

"Es wurde nur gearbeitet"

"Das Lied kenne ich" sagt Jennifer, als Sugar, Sugar Baby von Peter Kraus ertönt. "Das spielen wir oft nach Mitternacht auf Feten". Was war das für eine Zeit als die Jungen noch Jungen und nicht Boys hießen und eine Kurzhaarfrisur mit Stirntolle trugen?
Wie waren die Lebensverhältnisse in dieser Zeit, als die schlimmsten Folgen der Zerstörung langsam beseitigt waren und "es" wieder aufwärts ging?

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse wollen mehr über das Leben und Denken in den 50er Jahren erfahren und luden Männer und Frauen ein, die damals etwa so alt waren, wie sie heute.
Eine intensive Vorbereitung ging dem Projekttag voraus. Die Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschule Familienpflege hatten zur Vorbereitung des Treffens mit den Zeitzeugen eine Ausstellung zum Thema "Die 50er Jahre" in Lüneburg besucht. Im Unterricht wurden Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit den verschiedenen kulturellen, politischen und alltagsbezogenen Themen befassten.

  • Mode, Musik und Film
  • Frauen- und Männerrolle
  • Kinder und Familie
  • Hausarbeit
  • Schule und Erziehung 
  • Urlaub und Reisen

waren die Themengebiete für die im Unterricht Fragen erarbeitet wurden.
Jutta Rohde vom Besuchsdienst der Stadt Uelzen und ihre Seniorengruppe hat schon in den vergangenen Jahren Erfahrung im Dialog zwischen Alt und Jung sammeln können.
Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern der Berufsfachschule war dann auf Seiten der Jungen oft nur unglaubiges Staunen.
"Heiraten gehörte für uns einfach dazu" sagt eine Seniorin. Die sogenannte wilde Ehe war damals undenkbar. Etwas Kritik an den jungen Leuten schwingt mit, wenn sie über die allzu schnelle Trennung heutiger Paare spricht, ohne aber zu vergessen, dass die Frauen früher oft nur aus Mangel an eigener materieller Versorgung in einer schlechten Ehe blieben.

Abschreckend wirken die Berichte über tageslanges Waschen der Bettwäsche und mühselige Hausarbeit auf die Jugendlichen. Da erscheinen die heutigen Gefechte in den Familien wer denn die Spülmaschine ausräumt, doch geradezu lächerlich.
Manchmal schwingt aber auch etwas Wehmut über die verloren gegangene Sicherheit mit, wenn die Senioren von ihrer beruflichen Laufbahn berichten.

Viel Alternativen gab es nicht, die Biographien waren das was man normal nennt,  dafür aber auch nicht die Angst vor ständiger Veränderung. Kein Wunder, wenn einige der Schülerinnen der scheinbaren Geborgenheit der 50er Jahre etwas Gutes abgewinnen wollten.

Zwei Stunden lang diskutierten Jung und Alt über Werte, Lebensformen und den Alltag heute und gestern. Zwei Stunden, die geprägt waren von gegenseitigem Zuhören, Verständnis und hoher Lernbereitschaft. Deshalb wird dieses Projekt mit Sicherheit im nächsten Jahr wiederholt werden. 

Text: R. Klepsch 

 

 

 
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